Mittwoch, 27. Januar 2010

Nach dem Mid-Year-Camp...

In den Ferien nach dem Camp war ich in Mumbai und an Neujahr in Palolem in Goa. Aber von Anfang an. Das Midyearcamp fand in Mysore, in einer komplett von der Außenwelt abgetrennten Wohnsiedlung bzw. Firma statt. Infosys (eine information technology services company). Dort leben 15 000 Angestellte und Studenten. Als wir ankamen, mussten wir erst mal alle vor dem Eingangstor aus dem Bus aussteigen, unseren Reisepass und unser Gepäck zeigen und bekamen einen eingeschweißten Besucherausweis mit einem Foto von uns zum umhängen. Die ganze Zeit stand Militär mit langen Maschinengewehren umgehängt daneben. Innen sah es dann aus wie in einer Sims-Wohnsiedlung. Reich, weiße Bungalows, Palmen, akkurat gemähte Rasenflächen, ich schätze mal immer Sommer in Indien, aber vor allem breite, komplett Menschenleere Strassen. Wie sich herausstellte, war es nur mittags so leer, weil alle Studenten studierten und alle Angestellten arbeiteten. Abends fuhren zwar auch keine Autos auf den riesigen Strassen mit Mittelstreifen, aber einige Fahrräder. Die konnte man sich dort kostenlos ausleihen. Man musste sich einfach eins aus einem Fahrradständer am Fahrradparkplatz nehmen und es wenn man fertig war zurückstellen. Und alles war voller junger Leute, die an den warmen Abenden die ganzen Sportangebote nutzten, die es gab. Ein Volleyballfeld, einen Basketballplatz, irgendwo gab es Tennisplätze, innen, in dem Gebäude vor dem der Pool war, gab es ein Fitnessstudio, eine Bowlingbahn (die Abends mit Schwarzlicht beleuchtet war), eine Halle voller Tischtennisplatten, und, und, und. Es war als wäre das eine Stadt in der nur Jugendliche wohnten. Reiche Jugendliche kann man sich dazu denken… Jedenfalls war es 3 Tage lang ganz schön, so im Luxus zu schweben, allein schon wegen der warmen Dusche und dem Pool. Und dem Müsli zum Fruehstueck.

Aber natürlich waren wir nicht nur zum Tischtennisspielen auf den Infosys Campus gekommen. Morgens und nachmittags hatten wir Unterricht, in dem wir pädagogisch wertvolle Spiele spielten, ein Beispiel.
Wir saßen in Gruppen zusammen und jede Gruppe bekam ein Blatt, auf dem 20 Personen aufgelistet waren. Wir sollten uns 10 Personen aussuchen, die wir mit auf eine einsame Insel nehmen würden. 50 Jahre lang kommt niemand sonst auf die Insel. Unter anderem gab es zur Auswahl. Eine schwangere Lehrerin, ein arbeitsloser Bauingenieur, ein ehemaliger Pornostar, ein homosexueller afrikanischer Musiker, eine blinde Studentin, ein chinesischer Strassenverkaeufer, ein Heiler, eine Putzfrau, ein Militaerveteran, ein Koranlehrer, eine afghanische Staatsanwältin, … Es ging um Vorurteile, Stereotypen, eine Chance geben, und mehr. Wie auch zum Beispiel, dass man eher keine Behinderten nehmen will, weil das Probleme mit sich bringt.
Und eine junge Inderin, die letztes Jahr einen Italienaustausch mitgemacht hatte, erzählte uns von ihren Erfahrungen, als sie sozusagen zu uns (nach Europa) kam. Sie meinte, ihr sei am Anfang besonders aufgefallen, wie leer die Strassen waren, wie dunkel und farblos die Leute gekleidet waren und wie deprimiert sie aussahen. Aber sie meinte, das habe am Winter gelegen. Im Sommer wurden die Kleider bunter und die Leute auf den Strassen fröhlicher. Was ihr auch aufgefallen war, war dass die Leute ihre Haustiere wie Babys behandelten. Sie hat sich immer noch geschüttelt, als sie erzählte, dass die Leute ihre Hunde gebadet haben. Und es war neu für sie in eine Disko zu gehen. Es hat ihr nicht so gut gefallen, vor allem weil sie sich nicht unterhalten konnte, weil die wenigsten Freunde ihrer Freunde, die sie dort traf, Englisch sprechen konnten. Sie meinte, sie habe vor dem Austausch geglaubt, die meisten würden Englisch sprechen, aber das war ganz und gar nicht so.





Ich habe mich im Camp das erste Mal mit Henna bemalt, bzw. wir haben uns im Zimmer getroffen und uns gegenseitig Muster auf die Handflächen und Fussknoechel gemalt. Hennatuetchen, bei denen man vorne ein Stück von der Spitze abschneidet und dann dort das Henna rausdrückt, gibt es in jedem indischen Supermarkt zu kaufen. Und vom Balkon aus konnte man in Bohnenbaeumen grüne Wellensittiche mit roten Schnäbeln herumfliegen sehen. Das Camp ging 5 Tage. 3 Tage in Infosys, die restlichen 2 Tage verbrachten wir in Bangalore mit in den Zoo gehen, eine Safari mitmachen, sozusagen noch mal in den Zoo gehen und durch vergitterte Jeepfenster den weißen Tiger im abgesperrten Wildnisgehege fotografieren. Ich kam mir sehr gemein vor, als ich in dem Jeep saß und mit fotografierte, während der Jeep und ein Jeep, der von der anderen Seite herkam, dem Tiger ständig den Weg abschnitten, damit er umdrehen und in unsere Kameras lächeln musste. Ich würde das nicht noch mal machen. Im Wildpark zu übernachten war ganz schön, weil die wilden Rehe überhaupt nicht scheu waren. Eins hat mir sogar einen Zweig aus der Hand gefressen. Und in dem See direkt hinter dem Zaun, mit dem der Wildpark-Uebernachtungsplatz mit den Hütten in denen wir schliefen vom Wildpark abgegrenzt war, waren Krokodile. Am letzten Abend, am 22. Dezember, feierten wir vortraeglich Weihnachten am Lagerfeuer. Es gab Cola, Hühnchen mit Reis und einen Christstollen. Jeder bekam eine rote Zipfelmütze.
Als ich nach dem Camp den ganzen Tag lang auf meinen Flug am Abend warten musste, habe ich dann gesehen, dass diese roten Zipfelmützen vor Weihnachten an jeder Straßenecke verkauft werden. Und einige Häuser und Restaurants hatten große, bunte Sternlampignons mit langen Zacken aufgehängt. Inzwischen wurde mir erklärt, dass diese Sterne ursprünglich an Divali, einem hinduistischen Lichterfest, aufgehängt wurden, aber die Leute dachten, dass sie auch gut zu Weihnachten passen. Spät abends am Flughafen, bekam ich dann eine SMS, dass mein Flug 1h und 45 min zu späht kommt. Um 1 Uhr Nachts kam ich in Mumbai an. Mein Freund aus Ooty, der aus Mumbai kommt, und zwei nette Freunde von ihm erwarteten mich schon. Subway hatte schon zu, aber sie hatten mir ein Sandwich mitgebracht und mich typisch indisch dazu überredet, mitten in der Nacht erstmal etwas zu essen. Am nächsten Tag haben wir Sightseeing gemacht. Ich bin mit der voll gestopften Western Railway gefahren, im Frauenabteil, damit ich nicht von Männern zerquetscht wurde, nach Südbombay, wo ich schöne Architektur fotografierte und wo wir eine Art Gallery besucht haben.















Ich war am Indian Gate und am Marine Drive, auch Queens Neckless genannt, weil es, wenn Abends die Straßenlaternen an der Promenade angehen und an der halbrunden Bucht in regelmaessigen Abständen Lichter leuchten, so aussieht wie eine Perlenkette. Ich war abends da und habe gesehen, wie die Sonne wegen dem Smok am Horizont schon ein Stückchen über dem Meer verschwindet, als würde sie hinter einer unsichtbaren Mauer, die auf dem Meer steht, untertauchen. Auch die weit entfernten Hochhäuser gegenüber von da, wo ich mit 10000 anderen Leuten auf der Promenadenmauer am Meer saß, sahen aus wie im Nebel, wegen dem Smok. Auf den Strassen in Bombay tragen manche Leute auch weiße Atemschutzmasken, was allerdings komisch aussieht, wenn sie durch eine Menschenmenge laufen, wo außer ihnen sonst niemand eine Atemschutzmaske anhat. An Weihnachten, also am 24. Dezember, in Indien ist es ja am 25. Dezember, sind wir essen gegangen, in einem Restaurant, in dem alle Kellner rote Zipfelmützen trugen. Um Mitternacht wurde auf einen großen Gong gehauen, um zu verkünden, dass nun Weihnachten ist. Am 25. abends waren wir in einem Club in Bombay. Nach Weihnachten fuhren wir nach Pune, eine sehr westliche, reiche Stadt in der Nähe von Mumbai. Und gerade dort, habe ich die meisten verschleierten Frauen bisher gesehen. Allerdings trugen die meisten Mädchen hautenge Pullover und Jeans und nur ihr Gesicht war bis auf einen Spalt für die Augen ganz mit einem Tuch verschleiert. Oft trugen sie auch noch dunkle Sonnenbrillen. Im Bus zurück nach Ooty habe ich mich mit einem Mädchen aus Pune, das neben mir saß (das zufällig auf dem Weg nach Mysore zu Infosys war, und das mich inzwischen schon einmal in Ooty besucht hat) unterhalten, und sie meinte, sie verschleiere sich auch manchmal beim Roller fahren gegen den Smok. Damit wäre das Problem gelöst, denn alle verschleierten Mädchen habe ich auf Rollern an mir vorbei fahren sehen! Für die, die ihn kennen, der Osho-Tempel steht in Pune. Aber ich durfte nicht rein, nur in den Park davor, wegen irgendwas mit Schweinegrippe. In der Gegend um den Tempel laufen immer sehr viele Weiße in orangenen Tempelgewändern herum, und direkt neben dran ist eine German Bakery.
Wo mir gerade einfällt, bevor ich losfuhr, hatte ich keine Ahnung was in Indien erhältlich ist und was nicht, und es fiel mir schwer meinen Koffer richtig zu packen. Jetzt weiß ich es. In Indien gibt es Shampoo und Tampons, sie sind bloß nicht billiger als in Deutschland, wie alles andere in Indien. Es gibt auch Schokolade, und nicht nur die handgemachte in Ooty, es gibt überall Schokoriegel zu kaufen, in jedem kleinsten Dorfkiosk. Was es nicht gibt sind Brot, Brezeln und alles, was es in deutschen Bäckereien zu kaufen gibt (in Indien gibt es nur Toastbrot!), Käse ist unglaublich teuer, sogar teurer als in Deutschland. Und man isst keinen grünen Salat in Indien. Wenn ich von Indien spreche, meine ich natürlich nur das, was ich bisher von Indien gesehen habe. Am 31. Dezember morgens, fuhren wir von Pune mit dem Auto los nach Goa. Um 10 Uhr nachts erreichten wir Palolem, suchten eine halbe Stunde am rappelvollen Strand nach unserem Hotel, dessen Name als einziger nicht beleuchtet war, machten uns eine halbe Stunde lang fertig, weil wir vom langen Auto fahren verschwitzt waren, gingen um 10 Minuten vor 12 Uhr an den Strand um einen Tisch zu bekommen und fielen um punkt 12 Uhr auf einen Sitz an einem Tisch am Strand, wo uns um 12 Uhr vor lauter feiern natürlich niemand mehr bediente. Am ganzen Strand gingen Raketen und Spruehvulkane los und alle Strandbars waren offen und es kam überall Musik.
Eine Hintergrundinformation, die mir gerade einfällt. Weil der Staat Goa groesstenteils vom Tourismus lebt, sind um Touristen anzulocken keine Steuern auf dem Alkohol. Alles kostet umgerechnet höchstens 1 Euro. Und weil es verboten ist, den Strand zu bebauen, werden die ganzen Strandhuetten jedes Jahr aufs neue zum Saisonanfang nach der Monsunzeit (Oktober-Mai) aufgebaut und nach der Saison wieder abgebaut. Hochsaison sind Weihnachten und Silvester. In der Sperrholz-Strohdach-Huette, in der ich geschlafen habe, waren sogar ein Klo, ein Waschbecken, eine Dusche und ein Fan (Ventilator) installiert, aber die Wände wirkten, als hätte ich sie einstürzen können, wenn ich zu stark dagegen gedrückt hätte.
Nach Neujahr fing die Schule wieder an. Ich lese den Kindern gerade The little Mermaid vor. Danach spiele ich das Stück mit den Kindern nach. Einer ist dann die kleine Meerjungfrau mit einem Diadem, das ich aus Papier gebastelt habe, einer der Koenig, mit einer gezackten Krone, einer die Hexe, mit einem grünen Kopftuch, einer die Großmutter mit einem roten Kopftuch und die Fee, von der die kleine Meerjungfrau in der Kinderversion anstatt zu sterben am Schluss gerettet wird, bekommt ein weißes T-Shirt von mir und Papierflügel umgebunden. Ein Kind macht Seifenblasen. Allein, dass sie verkleidet sind finden die Kinder toll, ich lese dann einfach das Buch noch einmal und animiere sie dazu, ihre jeweilige Rolle zu spielen. Es gab allerdings immer Streit weil alle Seifenblasen machen wollten. Aber wenigstens ein Wort konnten sie danach. Bubbels.
Im Kindergarten mache ich jetzt viel mit den Nachhilfeschülern aus der 1.Klasse. Die junge Lehrerin, die immer im Kindergarten war, hat während ich in den Ferien war die Schule gewechselt und eine andere Lehrerin auch. Das waren genau die beiden Lehrerinnen, von denen ich die Handynummern hatte. Jetzt bin ich am Freitag zur Schule gefahren, weil ich nicht wusste, dass keine Schule ist. Ich wusste, dass am Donnerstag Pongal, Erntedankfest, war, aber am Tag nach Pongal ist ein Tag zu Ehren der Kuh. An dem Tag werden alle Tiere mit buntem Farbpulver angemalt. Die Ziegen und Kühe auf den Straßen hatten noch 2 Tage nach dem Fest bunte Farbe im Fell. Die neue Kindergärtnerin macht genauso wenig mit den Kindern wie die vorige. Und sie meint genauso wie die davor, sie seien zu klein um irgendetwas zu lernen. Jetzt unterrichtete ich mehr die Nachhilfe-Erstklaessler, die immer im Kindergarten rumsitzen, weil sie für die erste Klasse noch zu schlecht sind. Ich gab ihnen Nachhilfe im Schreiben. Sonst schreibt die Lehrerin ihnen immer einmal abc vor, und sie müssen das dann so oft abschreiben wie es auf ihre Täfelchen draufpasst. Ich ging von mir aus, ich lerne ja auch gerade Tamil schreiben, und ich finde es jedes Mal aufs neue toll, ein Wort schreiben zu können, und die anderen können es lesen. Also gab ich zwei Mädchen, die das abc schon auswendig konnten, schöne Neonfarbene Rollerstifte und Papier und schrieb ihnen einfache Worte vor, die sie nachschreiben sollten. Zum Beispiel schrieb ich einfache Tamilische Worte wie Amma (Mama), Appa (Papa), Anna(Bruder), Akka(Schwester). Dann war ihnen wenigstens das Wort schon vertraut.
Ein Mädchen hat Legasthenie oder ist leicht behindert. Sie kann nicht einmal das a schreiben. Sie malt entweder Kreise oder macht überhaupt nichts. Dann schaue ich nach 10 Minuten was sie gemacht hat und es ist immer noch das gleiche auf der Tafel, das ich ihr vor 10 Minuten vorgeschrieben habe. Ich habe es ihr schon in allen erdenklichen Variationen versucht zu erklären, letztes Mal habe ich ihr ein halbes a aufgemalt und sie musste nur noch eine kleine Lücke schließen. Immer wenn sie das geschafft hat, und ich sie gelobt habe, hat sie geklatscht weil sie sich so gefreut hat. Aber selbst schreiben lernt sie dadurch nicht. Das hat mich auf die Idee gebracht, Buchstabenvorlagen zu basteln. Dann muss sie die Buchstaben nicht schreiben können, und kann trotzdem ein Wort schreiben. Also habe ich aus Papier Buchstaben ausgeschnitten, die die Kinder unter Papier legen konnten und Wachsmalstifte mitgebracht, mit denen sie übers Papier rubbeln können. Den 5. Klaesslern habe ich letztes Mal das Kartenspiel Schlafmütze mit Foltern beigebracht. Da bin ich auch von mir ausgegangen, ich fand das in ihrem Alter im Zeltlager toll. Und ich denke, die Kartenreihenfolge auf Englisch zu erklären ist auch Spoken English. Ich will an dieser Stelle einmal erwähnen, dass es auch Tage gibt, an denen ich am liebsten nach Hause gehen will und das unterrichten keinen Spaß macht. Neulich hatte ich zum Beispiel die dritte Klasse. Der Morgen dieses Tages hatte gut begonnen. Die 4. Klaessler waren begeistert vom verkleiden und der Engel flog den Hof hoch und runter und die ganze Klasse flog hinterher. Aber dann. Zuerst meinte die Tamil-Lehrerin, sie möchte noch 30 min länger unterrichten, ob ich so lange warten kann. Dann ging sie und ließ mich alleine im Klassenzimmer, was kein Problem gewesen wäre, aber ihr Gehen läutete für die Kinder die Pause ein. Und dass ich junge, nicht schlagende Spoken Englisch Freiwillige da vorne stand, machte keinen Eindruck auf die Drittklaessler. Ich konnte gar nicht erst mit unterrichten anfangen, weil ich von vorne nach hinten die Tische abklappern und die Lauten persönlich ermahnen musste, ruhig zu sein. Aber als es hinten still wurde, wurde es vorne wieder laut und umgekehrt. Einen Jungen, der ein Mädchen schlug, schickte ich raus und er weigerte sich. Also nahm ich ihn bei der Hand und zog ihn vor die Türe und dann kam er aber langsam wieder rein geschlichen wenn ich nicht hin sah. Also schaute ich alle paar Sekunden zur Türe solange bis er es aufgab und vor der Türe stehen blieb. Ich war stinksauer auf die komplette dritte Klasse und hatte mir vorgenommen nicht mehr dort zu unterrichten. Heute habe ich wieder dort unterrichtet, weil mich ein paar Drittklaessler penedrant in der Pause gefragt haben, ob ich mal wieder zu ihnen komme, und dann immer so enttaeuscht waren, wenn ich nein sagte. Sie sind ja eigentlich alle suess. Auch die Mädchen, die während ich ein Spiel (das, wo man sich Zettel auf die Stirn klebt- Promiraten. Aber sie konnten keine Fragen bilden.) erklären wollte, Handklatschspiele gespielt haben. Heute habe ich allen ein Austeilblatt gegeben und alle haben super mitgemacht. Wenn jeder etwas vor sich hat, sind sie ruhiger. Und das Spiel, das ich ihnen letztes erklären wollte, war ihnen zu schwer und da haben sie abgeschaltet, und als die Jungen laut wurden, dachten die Mädchen, bei dem Laermpegel ist es auch egal ob wir Handklatschspiele spielen. So habe ich mir das jetzt zusammengereimt. Erkenntnisse über Erkenntnisse. Ein Pummelchen aus der Dritten war eins der Kinder, die mich immer fragten ob ich komme (ich habe in jeder Klasse Kinder, deren Lieblingslehrerin ich bin und die sich darum streiten meine Hand zu halten und die johlen und Klatschen wenn ich das Klassenzimmer betrete. Manche wollten mir schon die Haende kuessen!). Er war sehr fasziniert von dem Buch The little Mermaid. Er wollte sich immer in Ruhe die Bilder anschauen und jetzt wo das Thema vorbei ist fragt er immer ob ich es mal wieder mitbringe.

Kleiner Einschub über Autos und Verkehr in Indien. Hier muss man hupen, wenn man um eine Kurve fährt und auf jedem Laster steht (in Schönschrift von Hand gepinselt) Sound horn please oder Horn OK please, also wenn man überholt soll man hupen. An den Zahlstellen auf der Autobahn haben sie kein Wechselgeld, sie geben stattdessen immer Bonbons raus. In Indien muss man, wenn man eine Verkehrsregel bricht und zum Beispiel über eine rote Ampel fährt, 100 Rs (1,50 E) Strafe zahlen, mehr passiert nicht. Dementsprechend gilt, eigentlich wird links gefahren aber wenn Platz ist, fährt man in der Mitte, eigentlich braucht man einen Führerschein um sich ein Motorrad auszuleihen, aber wenn man fahren kann kriegt man eins, eigentlich sollte man langsam fahren, aber wenn man aufpasst, kann man auch schneller fahren,… Das Gute an dieser Einstellung, dass die Regeln nicht so wichtig sind, ist dass es keine (im Gegensatz zu Deutschland) agressiven Regelklugscheisser gibt, die beim Autofahren ständig fluchen, alle sind relaxt und sagen sich wenn einer sie in der Kurve ueberholt, das haette ich auch gemacht. Das schlechte daran ist, man muss immer wachsam sein und darf sich nicht auf Regeln verlassen.
Die Autonummernschilder sind nicht genormt wie bei uns. Solange der Text stimmt, ist jede Schriftart erlaubt, nur in Tamil sollte es nicht geschrieben sein, ist es aber trotzdem manchmal. Indische Autos spielen beim Rueckwaertsfahren eine Warnmelodie. Da kann man sich wie bei Handy Klingeltönen einen individuellen Ton einspeichern, z.B. Für Elise oder Weltraumhagel, aber die meisten haben die gleiche voreingestellte Melodie, die ich darum ständig als Ohrwurm habe. Einschub Ende.


Gestern habe ich mit der vierten Klasse Kettenfangen gespielt, das ist mir so spontan aus dem Realschul-Sportunterricht wieder eingefallen. Die Kinder haben ja keinen Sportunterricht, und gegen Schulschluss, sollen sie sich ein Bisschen bewegen und es werden draußen Spiele gespielt. Manchmal mache ich auch einfach Wettrennen mit ihnen. Davor haben sie etwas gelernt, ich habe ein Austeilblatt von Hand geschrieben (so mache ich es meistens, ich habe ein Grundschulgrammatikbuch für die 4. und 5. Klasse woraus ich mir den Stoff raussuche, und dann denke ich mir selbst Aufgaben aus und kopiere das Arbeitsblatt 50 Mal im Copyshop) über Proper Nouns und Common Nouns und unregelmaessige Pluralformen, wie mango-mangoes, knife-knives,…
Ach ja, als ich das mit dem durchrubbeln mit den Nachhilfe Schülern aus der ersten Klasse gemacht habe, habe ich mit den Buchstabenvorlagen aus dem Bedarf heraus angefangen Worte zu legen, dann die Buchstaben vermischt und durcheinander abgefragt, welcher Buchstabe ist das? Weil manche Kinder wissen die Namen der Buchstaben nur anhand der Reihenfolge des ABCs. Ein Kindergartenkind konnte das abc schon, dem habe ich dann wie den Erstklaesslern Worte vorgeschrieben, die es nachschreiben durfte. Und es war auch sehr lernbegierig. Als ich eine Zeit lang weg war, hatte es sich einer Kindergartenfreundin zusammengesetzt und als ich hinschaute waren sie fleißig dabei cs am Fliessband zu produzieren und immer beim schreiben ce ce ce ce ce ce ce ce zu sagen. Und andererseits gibt es einen Erstklaessler, der noch nicht das b vom c unterscheiden kann, und dem dieser Unterschied auch egal ist. Ihm habe ich sein Täfelchen zurückgegeben und ihm noch mal erst einmal a, b und c vorgeschrieben. Und als er immer d anstatt b schrieb habe ich ihn erst mal den ganzen tag nur das b schreiben lassen. Beziehungsweise musste ich immer daneben sitzen, damit er überhaupt etwas macht und als er mit ein paar Jungs in die Klopause rennen wollte, habe ich ihn erst gelassen, nachdem er etwas auf sein Täfelchen geschrieben hatte. Heute wollte er unbedingt das Diabolo haben, und als ich ihm sagte, erst wenn er einmal das Wort fish mit mir zusammen geschrieben hat. Zuerst nur f, dann nur i, und am Ende habe ich ihm gezeigt, wie er die Buchstaben aneinander reihen soll. Fuer ihn ist es schon viel Arbeit, ein einziges Wort zu schreiben.

In der 5. Klasse kam neulich die orangene Schulkatze Puschi ins Klassenzimmer und alle Kinder drängten sich auf eine Seite, weg von ihr. Ich ging schauen was los war und dachte erst sie habe eine Ratte mitgebracht, aber sie trug ein Babykaetzchen im Maul. Die Lehrerin(und Rektorin), die immer so hart wirkt und den Kindern eiskalt eine Ohrfeige gibt oder ihnen mit dem Stock auf die Hand haut oder ihnen die Ohren lang zieht, wenn sie es verdient haben, ist doch sehr beliebt bei den Kindern und an dem Tag habe ich gemerkt warum. Ich mag sie jetzt auch. Sie ist hart aber gerecht und sie ist streng, weil sie will, dass die Kinder aufpassen und etwas lernen (ok, was soll man in Indien zum Kinder schlagen sagen…). Sie schimpfte mit der Katze und schickte sie raus, lief ihr aber mit mir zusammen hinterher. Und als Puschi bevor sie durch den Reißverschluss in die Tasche zu ihren Babies schlüpfte ihr eines Baby ablegte und es dann vergaß, hielt sie die Tasche auf, damit ich das Baby hineinlegen konnte. (Wir wussten nicht wie sie reagiert wenn jemand ihr Baby anfasst) Und sie hatte verstanden, warum Puschi ins Klassenzimmer gekommen war. Im Klassenzimmer der 5. Klasse ist ein Fenster zum Office Room (Sekretariat). Dort hat sie ihre Kinder bekommen, aber die Lehrerin hat die Tasche raus in ein Eck auf den Pausenhof gestellt. Und nun versuchte Puschi mit ihrem Kind im Maul hoch zum Fenster zu springen und ihre Kinder einzeln zurück in den sicheren Office Room zu bringen, nachdem sie zur Vordertüre nicht rein gelassen wurde. Ich sitze gerade (saß, während ich dies schrieb) an meinem Lieblingsplatz unter einem Lindenbaum am Hang mit Felsen und Wurzeln und einer alten Steintreppe hoch zum Tempel über der Schule. Es ist noch keine große Pause, darum sind noch keine Kinder hier. Ich habe heute früher Pause und unterrichte nach dem Essen weiter. Unten rennen ein paar Kindergartenkinder über die Wiese, die so zertrampelt ist, dass man Erdweg dazu sagen kann, auf den Hang am Spielplatzrand und pieseln, ein paar Mädchen verschwinden zwischen den Bäumen. Sie haben wohl Klopause. (in Indien zeigt man wenn man pieseln muss, den kleinen Finger und wenn man Groß muss, den Zeigefinger.) Die kleinsten Kinder, bis etwa Anfang zweite Klasse gehen draußen aufs Klo, weil sie zu klein sind, das Klo für die Grossen zu benutzen.
Und jetzt kamen gerade die Erstklaessler aus ihrem Klassenzimmer und setzten sich immer in Dreier Grüppchen ins Gras und lasen zusammen laut (schrieen) einen Text auf einer Karte. (in Indien haben sie das Kartensystem- in den Klassenzimmern steht immer ein Regal mit vielen flachen, offenen DinA4 großen Boxen darin, auf denen Symbole wie Sonne oder Schmetterling draufkleben, die jeweils ein Schulfach oder eine Schwierigkeitsstufe anzeigen.)
Dann haben sie mich entdeckt und ein ganzer Haufen Mädchen rannte zu mir hoch und fragte mich How are you? Und erzählten mir etwas auf Tamil, was ich nicht verstand. Dann blieben sie still neben mir stehen und kicherten. Dann rief ein Mädchen, das unten saß, Miss! also sie petzte und sagte der Miss, dass ihre Gruppenkolleginnen bei mir sind und nichts lernen, und die Mädchen meinten erschrocken Ajooo (ein typisch suedindischer Ausdruck für Erschrocken sein oder für eine blöde Situation, in der man, Ach ja/ Ach mann, sagt) und rannten schnell den Hang runter.


Kleiner Einschub über Worte, die ich in Indien gelernt habe und interessant gekleidete Menschen auf der Strasse. Erstmal, ich weiß jetzt wie die Wickelröcke, die die Männer hier tragen, heißen. Lungi.

Und dass die Männer, die die Turbane tragen zur Sikh-Kaste, der obersten Kaste, gehören (offiziell ist das Kastensystem in Indien ja längst abgeschafft…). Babies und kleine Kinder bekommen einen schwarzen Kohle-Punkt auf die Stirn und auf die Backe gemalt, und die Augenbrauen mit schwarz nachgezogen, um böse Geister fern zu halten. Inder kleben sich nicht nur Bindis, kleine Tropfenfoermige Sticker, auf die Stirn (zwischen die Augenbrauen als Drittes Auge) sondern machen sich auch immer nach dem Beten mit gelbem oder rotem Farbpulver einen Strich auf die Stirn.
Das Hakenkreuz hat hier eine andere Bedeutung als bei uns, nämlich noch immer dieselbe wie seit jeher, die vom Sonnengott. Man kann sich hier Ketten mit Hakenkreuz-Anhaenger kaufen. Ein Inder hat einmal zu mir gemeint, als ich ihm erzählte, dass es in Deutschland verboten ist, ein Hakenkreuz irgendwo hinzumalen, das Hakenkreuz sei schon mehrere tausend Jahre alt und nur weil irgend so ein Depp daherkommt, es umdreht und sich anmaßt, die Bedeutung zu ändern, hören sie nicht auf, Hakenkreuze zu malen. In Indien ist die englische Übersetzung von Mein Kampf im Bestsellerregal. Mein indischer Freund meinte, es gilt unter den jungen Leuten als cool, Mein Kampf gelesen zu haben, viele behaupten auch nur, es gelesen zu haben. Oder kaufen es und stellen es sich ins Regal. Der Banjon Tree ist ein Baum, dessen Wurzeln von den Ästen herunter wachsen, bis sie den Boden erreichen. Dann bohren sich die Wurzeln in den Boden, und dort wächst dann ein neuer Banjon Tree. Wenn einen etwas anwidert, dann sagt man in Indian English Yak. Was sie hier auch viel sagen ist By the way, was so viel wie, wo wir gerade beim Thema sind oder Übrigens bedeutet. Und Sounds like a plan. Und ich kann ein Wort Hindi. Das sagt man oft am Telefon als Abschied Ok,Ok,Tike,Tike! Man wird hier oft gefragt, How is everything? Und als Maedchen wird man sehr oft mit Take Care verabschiedet. Es gibt an den Schulen die verschiedensten Schuluniformen. In Ooty hat eine Schule krass lila Schuluniformen, in Pune habe ich Mädchen derselben Schule mit pinken Mantelkleidern mit weißen Knöpfen und weißem Gürtel wie aus den 50er Jahren gesehen. Und in Kerala habe ich Mädchen mit hellgrünen Röcken, grauen T-Shirts und hellgrünen Haarbändern (indische Mädchen haben immer geflochtene Haare. Weil sie immer so unglaublich lange Haare haben!) gesehen. Indische Männer tragen sehr oft Schnurrbärte. Auf einem Rastplatz stand ein Schild. Wer hier hinpinkelt ist ein Tier. Also frei übersetzen würde ich es mit Wer hier hinpinkelt ist ein Schwein. Und was witzig war, dann kam (ich saß in der Raststätte und guckte aus dem Fenster) tatsächlich eine ganze Schweinefamilie an dem Schild vorbei gelaufen. Als ich einmal in einem rappelvollen Bus saß, und ein Vater mit seiner ganz kleinen Tochter und seinem kleinen Sohn einstiegen, streckte ein wildfremder Mann die Arme aus, und der Vater gab ihm die Kleine und setzte sie ihm auf den Schoss. Das war so eine selbstverständliche Aktion, dass ich ganz gerührt war, wie die Leute sich hier gegenseitig helfen. Als wären alle Tamilen eine große Familie. Und man sagt hier auch zu Fremden, wenn man den Namen nicht weiß, Akka (Schwester) oder Anna (Bruder). Was ich ziemlich cool finde, in Deutschen Hotels steht das nicht immer, dass in indischen Hotelzimmern immer ein Schild steht mit Spart Papier und Wasser. Dabei benutzen die Inder ja nicht mal Klopapier. Und die kleinen Mädchen haben hier immer Kleider an- So hübsch (und kitschig) sind nicht einmal die Prinzessinnen Kostüme von den Mädchen in Deutschland.
(langer) Einschub Ende.

Ein 5.Klaessler kann nur einen Satz Englisch, und zwar How are you? Egal was er ausdrücken will, Komm her! Oder, Schau hierher! Er sagt immer How are you, nur unterschiedlich betont und mit unterschiedlichen Gesten.
Oft fragen mich die kleinen Streber-, nein Lernmotivierten- Mädchen aus der 2. Klasse, ein paar Freundinnen, die immer am vordersten Gruppentisch sitzen und die besten Schülerinnen der Klasse sind Fragen wie How many eyes do you have? oder How many fingers do you have? Oder sie zeigen auf etwas und fragen mich What ist his? Oder sie fragen Who ist he Prime Minister of Tamil Nadu? Um anzuwenden, was sie gerade gelernt haben.
Ortswechsel zum Friedhof. Jetzt ist noch eine halbe Stunde Mittagspause und ich habe gerade gegessen. Reis mit Gemüsewasser und ein Ei. Und die Lehrerinnen geben mir immer unaufgefordert was von ihrem mitgebrachten Vesper ab, dieses Mal Karottensalat und- ich habe es gegessen und es hat mir geschmeckt (ich habe ein halbes Jahr gebraucht um mich daran zu gewöhnen)- Pickl. In Essig und rotes Chillipulver eingelegte Zitronenschalen.

Ich gehe in der großen Pause immer ein Bisschen auf den Friedhof neben der Schule, weil dort keine Kinder sind. Der Friedhof ist sehr aktuell aber trotzdem total verwildert. Die Hellblauen Holzkreuze stecken schief im Boden, die Gräber sind bloß Grashügel. Eigentlich sieht er aus wie eine Heide. In letzter Zeit gehe ich immer durch den Seiteneingang auf den Friedhof, weil am Vordereingang in letzter Zeit immer ein Grüppchen besoffener Männer sitzt/auf dem Hang herumkullert/mit Schlappen schmeißt (ein paar davon sind Väter von Kindern in meiner Schule) und an denen will ich nicht so gerne vorbei laufen. Jetzt sitze ich auf einem Grashügel, hole mir einen Sonnenbrand und erhole mich noch ein Bisschen vom letzten Unterricht, bevor die nächste Stunde beginnt. Es gibt außer Blauen auch noch rosane Kreuze mit gelben Rändern, grüne, weiße und alte Steinkreuze und Kreuze aus Metallrohren. Und hier wachsen Bäume die man sich gut in Gruselfilmen, nachts im nebligen Moor vorstellen kann. Hohe, kahle, oben spitz zulaufende Baumstämme mit Blätterbüscheln an den paar kurzen Ästen. Schafe weiden um mich herum, und in weiter Ferne auf dem Spielplatz, spielen die Jungs wahrscheinlich gerade ihr Lieblingsspiel Kappadie. Ein Trennstrich. Zwei Mannschaften. Einer der Mannschaft versucht in die Gegenmannschaft einzudringen und einen Gegenstand auf seine Seite zu bringen ohne dabei umzukommen. Ein sehr brutales Spiel. Aber es geht um die Kappadie-Ehre und der Junge gibt nicht auf und robbt sich auf dem Boden mit der halben Gegenmannschaft auf dem Rücken in Richtung Trennstrich. Paul und Sarah, die anderen zwei Freiwilligen hier in Ooty.

23.01.2009 Unterwegs mit dem Red Cross/Roten Kreuz


Der Krankenwagen. Wer hier drin mitfaehrt wird krank!


Kostenlose aertztliche Versorgung vom roten Kreuz.


Die ganze Dorfjugend kennengelernt...


Ein extrem bunter Tempel.


Die Madame (meine Chefin) verteilt Kuechensets und Decken an die Dorfbewohner.




Das Red Cross pflanzt Baeume.


Frauen warten auf ihre Behandlung.

26.01.2009 Aktuellster Eintrag.
Independence Day. Schulveranstaltung. Alle Schüler stehen in Reih und Glied in Klassen geordnet auf dem Pausenhof, die Besucher stehen irgendwo außenrum. Dann setzen sich alle und ein paar Schüler halten einstudierte Reden über ihr Land in Tamil, die guten Schüler in Englisch. Am Ende jeder Rede wird die Hand hochgesteckt und Heyho India (oder so ähnlich) gerufen. Vier Mädchen führen einen traditionellen indischen Tanz mit Ferse Stampfen und so weiter vor, in traditioneller indischer Kleidung, also in Saris, mit Kajal umrandeten Augen, roten Backen, Glitzer überall, einem Nasenpiercing das durch eine Kette mit dem Ohrring verbunden ist und dem ganzen Hinterkopf vollgesteckt mit weißen Blumen- mehr geschmückt geht nicht.
Internationaler Besuch ist da und überreicht den Kindern, die etwas vorgemacht haben fürs Foto Medaillen. Ein ehemaliger Schüler der Schule ist zu Gast und bricht seinen eigenen Weltrekord im Strohhalme in den Mund stecken. Er nimmt 325 Strohhalme in den Mund und er hebt einen Gaskanister mit 30 kg mit den Zähnen hoch. Nationalhymne singen (In Pune im Kinosaal zwischen der Werbepause und Avatar standen auch alle auf und sangen die Nationalhymne). Ich lerne ein paar Besucherkinder kennen, eine ist die Schwester von einem 2. Klaessler. Wir reden, sityen yusammen beim yuschauen auf dem Maeuerchen, sie fragen mich You come to my house? Ich sage ja. Das erste Mal in den Slumgassen wo fast meine ganze Schule wohnt unterwegs, eingehakt in eine Reihe 13-jaehriger Mädchen. Zwei Jungs rennen nebenher. Alle zwei Meter treffe ich Kinder von meiner Schule. Sie zeigen mir zuhause ein Fotoalbum, voller Bilder von hinduistischen Festen, bei denen sie sich besonders geschmückt haben und Blumenketten um den Hals tragen. Ihre Mutter, Großmutter und behinderter kleiner Bruder freuen sich, dass ich sie besuche. Die Mutter schickt einen Jungen eine Einmalpackung Nescaffee vom Kiosk holen. Nach dem Kaffeetrinken (nur ich trinke) zeigen mir die Kinder die Ortskirche. Wir essen Salz mit Milch, das im Schoss einer riesigen überdachten Jesusstatue war. Dann spielen die Kinder fangen und blinde Kuh im Wald, wobei sie eine neue Regel erfunden haben. Wenn einer wie verrückt Tsunamiii ruft, müssen alle schnell zu ihm laufen und ihm die Hand auf den Kopf legen. Wer als letztes ankommt, muss fangen. Ich gehe, treffe mich mit Paul und Sebastian, dem neuen (seit 2 Tagen) Volunteer aus der Schweiz am Rollerverleih, wo ich auch mein Fahrrad gekauft habe. Am Ende fahre nur ich Roller, weil nur einer available war, Paul fährt Motorrad (das erste Mal), Sebastian sitzt hinten drauf und Sumit, den ich angerufen habe, damit er vielleicht Paul ein Bisschen erklären kann, wie man Motorrad fährt, fährt sein eigenes Motorrad. Es macht total Spass, zwischendurch tauschen wir aus. Wir fahren erst am Ooty-Lake entlang, dann führt uns Sumit an und wir fahren Richtung Lovedale, den Nachbarort von Ooty auf einer schönen Strasse oben am Hang durch die Teeplantagen. Auf einem leeren Erdplatz ganz oben auf einem Teehügel vor einem Tempel lernen ich und Sebastian wie man auf einem Motorrad anfährt…das war ein schöner Tag und ich kann jetzt Motorrad fahren.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Ein halbes Jahr später...

Nachdem ich diesen Blog schon vor meiner Ausreise aufgegeben habe, greife ich nach jetzt 5 Monaten doch noch einmal darauf zurück, weil ich zu meinen Rundbriefen nie Bilder mitschicken konnte, weil mein Internet dazu zu langsam ist.
Und damit jeder, der das hier liest auch die Vorgeschichte kennt, hier eine Zusammenfassung, mein 3-monatsbericht, den ich meiner Entsendeorganisation ICJA (Internationaler Kultureller (ehemals "Christlicher") Jugend Austausch) geschickt habe:

3 Monats Bericht

Am 10. August war es soweit: Ich flog nach Indien! Genauer gesagt von Frankfurt nach Mumbai und nach 3 Stunden Aufenthalt im Flughafengebäude in Mumbai weiter nach Bangalore. Ich war nicht alleine, sondern die ganze Zeit zusammen mit 10 anderen Freiwilligen, alle in meinem Alter, also gerade mit dem Abitur fertig, und einige kannte ich schon vom ICJA Camp in Deutschland. Spätabends in Bangalore dann, wurden wir draußen vor der Glaswand der Gepäckbandhalle von zwei jungen Indern mit einem Schild, auf dem ICDE stand, empfangen. Wir liefen mit ihnen zum Parkplatz, einer kletterte aufs Dach des weißen Busses und hievte all unser Gepäck hoch. Dann fuhren sie uns zu dem Ort, einem Ashramgelände namens Fireflies, außerhalb von Bangalore, an dem das Einführungscamp stattfand.



7 Tage lang kamen wir nicht aus diesem Ashramgelände im Dschungel heraus. Wir schauten abends DVDs auf einer Leinwand, beim Frühstück saßen Affen auf dem Dach, wir lernten ein paar Sätze in unserer Landessprache (in meinem Fall Tamil) zu sprechen und ein bisschen Theorie der indischen Kultur u.s.w. Am letzten Abend war es soweit, wir wurden in die freie Wildbahn entlassen und sahen auf der Busfahrt zu unseren Orten (in meinem Fall die Fahrt nach Ooty) das erste Mal etwas von Indien außer dem Flughafen und dem Ashram! Paul, Sarah und ich wurden am letzten Camptag von Manuel, einem Freiwilligen, der schon ein halbes Jahr da war abgeholt und fuhren mit ihm zusammen von Bangalore aus mit dem Bus nach zur Hillstation Ooty. Das Projekt der beiden Jungs war in Conoor, einen Ort davor. Die Chefin, Madam genannt, war gerade unterwegs als wir ankamen und wir wurden zwar freundlich begrüßt von den Frauen im Frauenhaus, aber so wirklich wusste niemand wer wir waren und wozu wir gekommen waren. Nur die Sekretärin im Büro konnte ein paar Brocken Englisch und hatte gewusst, dass wir kommen. Sie zeigte uns unsere Wohnung im Nachbarhaus, in der wir zu zweit verhältnismäßig mehr Platz hatten, als die Frauen zusammen im Frauenhaus. Wir haben ein von unseren Vorgängerinnen ganz in rosa gestrichenes Zimmer mit zwei Betten, einem Metallschrank, einem in die Wand eingelassenen Regal, einem Tischchen auf dem ein Fernseher steht und schön geformte Gitter vor den Fenstern. Vor dem Zimmer, wenn man von draußen zur Türe reinkommt ist ein Eingangsraum, mit einem großen und einem kleinen in die Wand eingelassenem Regal und einer Ablage mit eingelassenem Spülbecken. Jetzt stelle ich mein Fahrrad da hinein. Wir haben ein indisches Klo (Loch mit geriffelten Keramikflächen daneben zum draufstehen, Wasserhahn und Eimer) und ein indisches Bad, ein ganz leerer, gekachelter Raum mit Wasserhahn an der Wand, einem Eimer und einem Messbecher zum Duschen. Um warmes Wasser zu bekommen, hängen wir eine halbe Stunde lang einen Heizstab in den Wassereimer.
Essen tun wir mit den Frauen im Frauenhaus. Wir sitzen auf dem Boden und essen mit den Händen. Der August und September waren sehr lockere Monate.

Morgens den kleinen Whitnesh, den Sohn einer Frau im Frauenhaus, zur Schule in der Ooty Innenstadt bringen. Dort eine Stunde lang unterrichten. Danach zwei Tage die Woche in einer Waisenhausschule unterrichten, eine Schulstunde lang und die anderen zwei Tage die Woche in einer Schule für sehr arme Kinder, die aus einer üblen Gegend am Rande des Ooty Lakes kommen und deren Ortsteil aussieht wie ein Slum mit den ganzen kaputten, mit Planen geflickten Häusern. Neben der Schule ist ein Wineshop vor dem betrunkene Männer herumhängen und ein Friedhof, makaber aber wahr: auf dem immer Leute sind, die neue Gräber schaufeln. Das ist die Schule in Kandal, in der wir heute unterrichten. Ab und zu fiel die Schule aus und wir fuhren im indischen Krankenwagen hinten drin mit dem roten Kreuz mit, zu Rot- Kreuz Veranstaltungen. Häufig waren es langweilige Sitzungstreffen auf Tamil und wir waren eher repräsentativ als weiße Freiwillige dabei und mussten einmal während dem Programm aufstehen und winken und dafür gab es immer sehr leckeres Essen und wir lernten immer nette Leute kennen. Einmal war es anders und wir fuhren vom roten Kreuz aus mit einer Gruppe Social Work Studenten aus Chennai mit dem Bus mit von Dorf zu Dorf im Nilgiris Distrikt und veranstalteten in einer Schule und an zwei öffentlichen Plätzen in Dörfern Health Camps. Das war total interessant, hat Spaß gemacht, die Studenten waren in unserem Alter und waren total nett und engagiert und ich kam mir nützlich vor. Ein Arzt untersuchte die Leute und verteilte kostenlose Medikamente, in der Schule wurden kostenlose T-Shirts, Stifteboxen und Traubenzucker verteilt und die Studenten hatten ein komplettes Programm vorbereitet mit Theaterstück, einer Muppetshow, Musik und einem Tanz den die Kinder mitmachen konnten. Sarah und ich konnten helfen die Kinder zum mitmachen zu animieren und uns einfach mit ihnen unterhalten, damit ihnen der ganze besondere Tag, samt Message wie z. B. putzt euch die Zähne, wascht euch regelmäßig, was gesundes Essen ist,… im Kopf blieben, weil es ihnen einfach gut gefallen hat.
Ansonsten hingen wir in den ersten zwei Monaten etwas in der Luft, weil wir nicht richtig wussten, was unsere Aufgaben sind, weil alles was wir taten, nicht wirklich gebraucht zu werden schien. Auch wenn wir mal fehlten fiel es gar niemandem auf und der voll gestopfte Arbeitsplan, den wir zu Beginn bekommen hatten, stellte sich bald als heiße Luft heraus. Wir hatten nicht viel zu tun. Wenn wir laut Plan in die Office sollten um den Frauen Computer zu unterrichten waren entweder gar keine Frauen da oder nur zwei und die luden uns zum Tee ein und wussten von nichts und es war ihnen nach 10 Minuten genug Unterricht. Auf dem Plan stand, wir sollten nähen unterrichten und ich musste gar niemandem erklären, dass ich selbst nicht gut nähen kann- Wir mussten nie jemandem nähen beibringen.

Eine Woche im Monat, zogen wir ins Altenheim in Gudalur, einem Dorf etwas tiefer gelegen als Ooty. Auch dort mussten wir uns selbst Arbeit suchen, wenn wir welche wollten. Und die Leute konnten kein Englisch. Wir versuchten mit den Leuten Ball zu spielen, aber die alten Leute wollten nicht Ball spielen. Nur einer, und mit ihm und den Nachbarskindern spielte ich dann eben den ganzen Tag lang. Das einzige was wir tun sollten war mithelfen, Gemüse zu schneiden. Aber auch wenn es sehr ruhig zuging und uns von der Köchin außer Gemüse zu schneiden nichts zugetraut wurde, nicht einmal Essen servieren, mochte ich die alten Leute und das Dorf Gudalur sehr. Einmal kaufte ich ganz viel Obst, weil sie das nie bekamen (und ich auch nicht) und machte allen zusammen eine riesige Obstplatte. Und das Mädchen für alles im Altersheim und ein paar süße, alte Frauen, die ein paar Brocken Englisch sprechen konnten, brachten mit Tamil bei.
Ende September, in den Schulferien, sind wir dann das erste Mal in den Urlaub, zusammen mit einer ganzen Gruppe anderer Freiwilligen Wir fuhren mit dem Zug nach Kerala, wo wir die anderen trafen, dann nach Goa. Weite Strecken mit dem Zug zu fahren bin ich mittlerweile gewöhnt. Es war aber auch gar nicht so schlimm, weil es sehr bequeme Liegen in den Schlafabteilen gab und man darf an der offenen Zugtüre sitzen und die Füße rausbaumeln lassen und zusehen wie sich die Landschaft verändert und das Meer immer näher rückt und dabei die Nase in den Wind strecken. Nach dem Urlaub taten Sarah und ich uns zusammen und zogen auf eigene Faust los, um Arbeit zu suchen. Wir wollten ein Projekt finden, in dem wir den ganzen Tag arbeiten können damit unser Tag nicht mehr so zerstückelt ist, und wir mehr Zeit mit Arbeiten als mit von Arbeit zu Arbeit reisen verbringen. Wir redeten auch mit Shila und der Madam und es kam heraus, dass es kein Problem für die Schulen war wenn wir den ganzen Tag unterrichten. Seit Oktober bis jetzt, 16. Dezember, machen wir das nun. Wir unterrichten ganztägig, von 10 Uhr bis 16 Uhr in der Grundschule in Ooty im Ortsteil Kandal, vom Kindergarten bis zur 5. Klasse.

Es macht Spaß und ist aber auch sehr anstrengend. Was Spaß macht ist, dass die Kinder sich immer so freuen. Wenn ich in die Klasse komme jubeln sie immer, und wenn sie begeistert sind von einem Spiel oder einem Lied, dann macht mir das unterrichten natürlich auch total Spaß. Anstrengend ist, dass in einer Klasse immer 50 Kinder sind und irgendwer immer redet und wenn nicht dann einer von der Klasse im Nebenraum und man hört alles durch die dünnen Wände. In meiner Schule werden die Kinder mit dem Stock geschlagen, aber nicht allzu stark. Auch das Unterricht vorbereiten ist ganz schön anstrengend, und basteln ist nicht möglich, weil ich nicht für 50 Kinder das ganze Material selbst kaufen will. Darum muss ich mir immer überlegen was sich machen lässt. Zum Beispiel etwas falten anstatt zu schneiden. Auch macht es den Kindern natürlich am meisten Spaß (und somit mir auch) wenn sie weder unter noch überfordert werden. Aber niemand sagt mir, was sie schon können und auf welchem Stand sie sind. (Bzw. auf welchem Stand die meisten sind, denn innerhalb einer Klasse kann es bei 50 Schülern große Unterschiede zwischen dem Wissensstand der Kinder geben).
Heute und morgen unterrichte ich im LKG (Kindergarten) weil alle anderen Klassen ihre Halbjahresexams schreiben. Ich merke, dass es mir auch gut gefallen hätte, mit geistig behinderten Kindern zu arbeiten, die zwei behinderten Kinder im Kindergarten finde ich supersüß. Übermorgen fängt das Midyearcamp an. Sarah und ich fahren Freitagmorgen los nach Mysore, wo wir uns um 16 Uhr am Busbahnhof einfinden sollen.

Bis dahin erstmal,

Tatjana