Samstag, 20. Februar 2010

Vaterbesuch

Eine Woche Urlaub mit meinem Vater und seiner Freundin. Sie waren einen Monat in Indien, in ihrer letzten Woche kamen sie nach Ooty, blieben einen Tag und nahmen mich dann mit nach Kerala („God’s own country“) um vor ihrer Rückkehr ins kalte Deutschland noch einmal so richtig Sonne zu tanken.
In Ooty liehen wir uns gemeinsam einen Roller und ein Motorrad aus. Der Roller gab aber noch in der Stadt den Geist auf, so dass wir ihn gegen ein zweites Motorrad umtauschten. Ich lotste uns aus Ooty heraus in die Teeplantagen an einen schönen Platz auf einem Hügel, auf dem ich schon einmal war. Auf dem Hügel war ein Tempel, der nie offen war als ich da war. Aber wir hatten verdammt Glück: genau an dem Tag um diese Zeit hatte der Tempel einmal im Monat offen.






Wir lernten einen netten, sehr gläubigen Inder kennen, der uns zu sich nach Hause zum Tee einlud. Wir sagten zu und der Inder fuhr im weißen Lungi hinten auf Volkers Motorrad mit  Bei sich zuhause führte uns der Inder erst einmal durch sein Haus und zeigte uns sein Gebetszimmer mit einem Tisch voller Bilder von Hindugöttern. Unter anderem ein Foto von einem verstorbenen Guru namens „Baba“, den der Inder wie einen Heiligen anbetete.



Von seinem Gesicht hatte er überall im Haus Bilder, sogar auf seiner Armbanduhr. Er unterhielt sich mit uns am liebsten über Religion und schweifte immer auf dieses Thema ab. Da wir für Inder eine komische, unverständliche Konstellation sein mussten, Vater, Freundin von Vater, Tochter und alle keiner Religion zugehörig, sagten wir, wir seien Vater, Mutter und Tochter und alle Christen.
In den Urlaub starteten wir mit einer Fahrt mit der „Bluemountainrailway“, die eher eine Touristenattraktion als ein Reisemittel ist, in den Nachbarort Connor. Von dort aus nahmen wir uns ein Taxi durch die grünen Hügel bis nach Coimbatore, der nächst größeren Stadt in der Nähe von Ooty, in der es auch den nächsten richtigen Bahnhof gibt. Von dort aus fuhren wir mit dem Zug nach Alapuza, dann mit dem Taxi weiter nach Aleppey, das bekannt für die „Backwaters“ und seine legendären Basthausboottouren darauf ist.



mieteten uns für einen Tag ein Hausboot, inklusive Kapitän, Koch und einmal Mittagessen, Abendessen und Frühstück. Wir hatten eine richtige Dusche mit Duschkopf und unbegrenzt warmes Wasser, und allgemein schwebten wir im Luxus, wie wir auf dem gemütlich wie bei Oma eingerichteten Deck auf dem Sofa mit Häkeldeckenüberwurf saßen und der Reisekataloglandschaft beim vorüberziehen zusahen.








Nachmittags legten wir bei einem Fischhändler am Ufer an und kauften frisch gefangenen Fisch, den dann zu Abend aßen. Dabei trafen wir beim Treppcheneinstieg ins Wasser auf einen kleinen Nachwuchsangler und zwei nette Maler beim einseifen und baden. Abends hielt das Hausboot, weil auch der Kapitän und der Koch nachts schlafen wollten. Als es dämmerte gingen wir eine Runde schwimmen.








Am nächsten Morgen mussten wir leider wieder aussteigen. Und mit unserem ganzen Gepäck von Hausboot zu Hausboot steigen und durch Hausbootküchen latschen um ans Ufer zu gelangen. Dann ging es weiter mit dem Zug nach Varkala. Dort blieben wir die restliche Zeit und taten nichts, lasen, spielten Frisbee, surften mit oder ohne Bodyboard auf den Wellen- Varkala ist nämlich bekannt für seine Klippen und Wellen. Morgens frühstückten wir Fruchtsaft, mittags tranken wir Kaffee und spielten das Spiel „Geräuscheraten“, bei dem einer die Augen zumacht und ein Geräusch erraten muss, und jeden Abend gab es Meeresfrüchte. Einen Morgen verbrachten wir auf einem Fischerboot bei einer „Delfintour“, meinem Geburtstagsgeschenk von meinem Vater. Wir verfolgten 1 ½ Stunden lang einen einzelnen Delfin, dessen Finne ab und zu von unten die Wasseroberfläche streifte und der wie zum Abschied bevor er verschwand einmal einen Salto beim Hochspringen machte. Als entschädigung dafür, dass wir keine Delfine gesehen hatten, bot uns der Fischer an mit ihm fischen zu gehen. Wir fingen allerdings nichts, weil der Grund, dass keine Delfine da waren war, dass keine Fische da waren. Letztendlich tauchte mein Vater mit seinem Schnorchel nach Muscheln und ich und seine Freundin schwammen eine Runde. Die einheimischen Muscheltaucher auf ihren wackeligen ausgehöhlten Baumstamm- Flössen schauten immer wo mein Vater auftauchte weil er mit seiner Taucherbrille klarer unter Wasser sah. Aber als er ihnen anbot sie zu benutzen, lachten sie nur.
Außerdem traf ich einen Jungen wieder, den ich noch vom letzten Urlaub in Varkala (meinem ersten Urlaub in Indien) kannte und traf mich ab und zu mit ihm. Er arbeitet in der Touristenpromenade auf den Klippen, die extra so nah an den Abgrund gebaut wurden, dass die Touristen keine Möglichkeit haben auf ihrem Weg zum Strand den Shops auszuweichen. Diese fiese Maßname erfüllt aber tatsächlich ihren Zweck: alle Touristen in Varkala scheinen nur dort gekaufte Sachen anzuhaben. Durch den Jungen lernte ich einige verrückte Touristen kennen, wie eine alte Hippie-Oma, Fußballspielende Israelis am Strand und einen süßen kleinen fetten irischen Jungen mit zwei Zähnen, der sich im Sand ein Sandauto gebaut hatte, in dem er den ganzen Tag saß. Außerdem fuhr ich mit ihm und seinem Freund zusammen auf dem Motorrad nach Kollam, einen Ort weiter, in dem ein Tempelfest mit einer Elefantenkarawane stattfand. Inzwischen sind mein Vater und seine Freundin wieder zuhause und ich seit 3 Wochen zurück in Ooty. Am Donnerstag der Woche in der ich zurückkam war gleich wieder ein schulfreier Tag für mich, denn wir fuhren mit dem roten Kreuz runter nach Gudalur, dem Ort in dem sich das Altersheim befindet, in das ich immer eine Woche im Monat gehe. Mein Altersheim und 3 weitere Altersheime feierten zusammen eine Altersheimparty, zu der wir eingeladen waren.



Meine Aufgabe bestand wie meistens bei Rotkreuzveranstaltungen darin, zu fotografieren. Also saß ich zusammen mit den anderen Fotografen ganz vorne in der ersten Reihe, von der Madame beauftragt, so viele Fotos wie möglich zu machen. Es wurden Reden auf Tamil gehalten, die wir (ich und Sarah) nicht verstanden, alte Leute sangen etwas vor, wobei ihnen das Mikrofon von Zivis gehalten werden musste weil ihre Hände so zitterten.




Einige alte Leute sangen genial. Indische Lieder haben aber auch so komplizierte Melodien, dass sich indischer Gesang entweder genial oder grottenfalsch anhört. Bei der indischen Nationalhymne denke ich mir jedes mal: Wenn so viele Leute das gleiche singen, muss es ja stimmen, aber es hört sich trotzdem so an, als würden alle den letzten Ton vergessen. Eine Goldständer-Öllampe mit mehreren in Ölbecken gelegten Dochten wurde angezündet wahrscheinlich zu Ehren eines Gottes. Die Altersheim- Ältesten wurden geehrt und bekamen Umhängedecken geschenkt. Die anderen alten Leute bekamen alle eine Tupperbox mit Hygieneartikeln darin geschenkt. Zwei junge Tänzerinnen tanzten traditionelle indische Tänze vor, mit Glöckchen-Fußketten die beim aufstampfen klingelten, und ein passionierter, pensionierter Schauspieler führte auf der Bühne einen Monolog in Tamil auf, der damit endete, dass er seine glänzendbunte Kapitänsmütze lüftete und seinen Säbel zog. Dem lachen des Publikums zu urteilen war es ein lustiges Stück.









Es war schön, meine ganzen „alten“ Freunde aus Gudalur wieder zu sehen. Sie küssten mir alle die Hände und Devi, das Mädchen, das immer im Altersheim mithilft und eine alte Frau schenkten mir Blumen, eine rote Blume mit großen Blütenblättern und eine weiße Blumenkette aus mit dünnem Faden zusammen gebundenem schwer duftenden Jasminblumen, die ich mir in meinen Zopf steckte.






Ein paar News aus der vergangenen Schulwoche: Ich habe den Kindern den Ententanz beigebracht, ich habe mich in der örtlichen Bücherei angemeldet und leihe dort jetzt immer englische Kinderbücher aus, die ich im unterricht vorlesen kann, ich habe im Internet einige Bewegungs-Lieder zum Thema Kontinente gefunden und den Kindern so spielerisch die Kontinente erklärt. Ich habe in jeder Klasse mit Tesafilm eine Weltkarte an die Tafel geklebt und Arbeitsblätter zum Thema gemalt, mit selbst gezeichneter Weltkarte auf der Rückseite zum anmalen- jeder Kontinent eine andere Farbe. Ich muss sagen, das habe ich gut gemacht: Bis auf einige Fünftklässler kannte kein Kind die Kontinente wirklich (aber alle wussten wo Indien liegt, was der indische Nationalsport, Nationalvogel und das Nationaltier sind). Jetzt weiß jedes Kind Bescheid, dass es 7 Kontinente gibt, welcher Kontinent Afrika und welcher Antarktis heißt und wie die 4 größten Ozeane heißen. Die etwas älteren können jetzt auch einige Flaggen, natürlich auch die Deutschlandflagge. Den jüngeren, die noch nicht so gut in englischen Buchstaben schreiben können, habe ich an der Tafel die Kontinente in Tamil angeschrieben- das erste Mal, dass ich meine Tamil-Schreibkenntnisse im unterricht nutzen konnte 
In der nächsten Woche, habe ich das Thema Linien und Formen behandelt. Ich habe ihnen ein Arbeitsblatt erstellt, mit Aufgaben wie zum Beispiel: draw sleeping lines (waagerechte linien), draw standing lines (senkrechte linien), draw zig-zag-lines, … und dann draw the shapes: circle, square, triangle,… auch ziemliches Grundwissen, einfache Begriffe, die sie bisher nie benennen konnten. Sie waren alle sehr konzentriert dabei, weil sie bei Linien zeichnen schnell ein Erfolgserlebnis hatten. Schwieriger wurde es beim 3D zeichnen. Als einige schon mit Vorder- und Rückseite fertig waren, radierten andere immer noch an ihren Würfeln und Pyramiden herum. Dann trug ich denen, die schon fertig waren auf, denen zu helfen, die sich schwer taten, und das taten sie dann ganz gewissenhaft und erklärten ihren Mitschülern geduldig von „Kind zu Kind“ wie man einen Würfel zeichnet. Ich ließ sie auch selbst etwas malen, indem ich ihnen Aufgaben wie, draw a cup of tea on the table, draw a butterfly under the clouds oder draw an elephant in the rain gab. Vor 2 Tagen habe ich eine Lautsprecheranlage für die Schule gekauft, die ich mit meinem mp3-player verbinden kann. Dann kann ich den Kindern auch mal CDs vorspielen, oder mit ihnen Stopptanz-Spiele spielen. Ich habe auch schon die Musik vom Ententanz aus dem Internet herunter geladen.
Diese Woche gehe ich nach Gudalur, dann fange ich mit einem neuen Thema an: ich habe mir überlegt, den Kindern richtigen Zeichenunterricht zu geben… bis dahin erstmal liebe Grüße! Tatjana-Miss

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

....ich lese deine spannenden Erzaelungen mit großem Interesse. Mach weiter so!
Gruß
Andi

Tati hat gesagt…

Hi Bambu!

Schoen, dass du einen Kommentar schreibst! :-) Man fuehlt sich immer so alleine, wenn da steht "0 Kommentare"!

ganz Liebe Gruesse!! Bis dann,

deine Tati